Kooperation Phytopharmaka

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Engelwurz

Engelwurz
© Sertürner Bildarchiv

Botanische Bezeichnung

Echte Engelwurz - Angelica archangelica L.

Familie

Doldengewächse (Apiaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Die Engelwurz ist in allen gemäßigten Zonen Europas und Asiens heimisch, wächst dort vorwiegend in den nördlichen Zonen. Sie bevorzugt feuchte Wiesen, Flachmoore und Flussufer, auch an Sandstränden ist sie zu finden.

Der Name „Engel”, der auch im lat. Gattungsname Angelica (lat. ,angelicus' = Engels-) wiederkehrt, bezieht sich auf die Sage, dass die heilkräftige Pflanze den Menschen durch einen Engel gezeigt worden sei. Das Artepitheton archangelica (lat. ,archangelicus' = Erzengel-) steigert diese Vorstellung noch. Der Sage nach war es der Erzengel Rafael, der einen Einsiedler auf die Heilkräfte der Pflanze aufmerksam gemacht hat. Schon immer war wohl die Wurzel das heilende Pflanzenteil, weswegen im Deutschen der Name Engelwurz Bestand hat.

Die Engelwurz ist eine krautige Staude, die mannshoch (bis 2 m) werden kann. Sie wächst aus einem dicken, rübenförmigen Wurzelstock heraus, von dem zahlreiche, bis zu 30 cm lange dünne (Adventiv-)Wurzeln in die Erde wachsen. Beim Ernten der unterirdischen Teile erinnern diese im getrockneten Zustand an „engelsgleiche” Haare, möglicherweise auch der Ursprung des Namens „Engelwurz”. An einem dicken, hohlen, fein gerillten und oben verzweigten Stängel sitzen zwei- bis dreifach gefiederte, bis 90 cm große Blätter mit einer auffallend breiten, sackartig aufgeblasenen Blattscheide. Die zahlreichen, schwach grünlich gefärbten Blüten bilden an den Stängelenden sehr große, halbkugelförmige Doppeldolden mit 20 bis 40 Strahlen. Die Früchte sind 5 bis 8 mm lang, blassgelblich und zerfallen nach dem Abspringen in jeweils 2 Teilfrüchte. Blütezeit ist Juni bis August.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet werden die getrockneten unterirdischen Teile, bestehend aus dem Wurzelstock und den Wurzeln (Angelikawurzel - Angelici radix). Die Droge des Handels stammt aus Kulturen in Thüringen, Polen und Holland.

Inhaltsstoffe der Droge

Angelikawurzel enthält ätherisches Öl mit Mono- und Sesquiterpenen. Der typisch moschusartige Geruch geht auf die darin enthaltenen macrocyclischen Lactone (u.a. Tri-, Penta- und Heptadecanolid) zurück; außerdem Furocumarine und prenylierte Cumarine, verschiedene Phenolcarbonsäuren, Fettsäuren, Saccharaose.

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität der Angelikawurzel (Angelicae radix) ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

ESCOP: dyspeptische Beschwerden wie leichte Bauchkrämpfe, verzögerte Verdauung, Blähungen und Völlegefühl; Appetitlosigkeit, Magersucht, Bronchitis
Kommission E: Appetitlosigkeit; Verdauungsbeschwerden wie leichte Magen-Darm-Krämpfe, Völlegefühl, Blähungen.

Traditionelle Anwendung

Traditionell angewendet zur Unterstützung der Verdauungsfunktion bzw. zur Unterstützung der Magen-Darm-Funktion und zur Anregung des Appetits (traditionelle Anwendung nach § 109a).

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

  • geschnittene Angelikawurzel zur Bereitung eines Tees, auch in Teemischungen (Magentees)
  • Fluidextrakt in Flüssigkeiten
  • alkoholischer (50%) Auszug in Tropfen
  • alkoholisches Destillat in Flüssigkeiten

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: 2 bis 3 mal täglich eine Tasse Angelikawurzeltee trinken; zur Appetitanregung soll der Tee jeweils eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten, bei Verdauungsbeschwerden nach den Mahlzeiten getrunken werden. Tagesdosis 4,5 g Droge. Sinnvoll ist eine Kombination mit anderen Drogen wie Tausendgüldenkraut, Wermutkraut und Schafgarbenkraut (Magentees) oder mit Kümmel und Fenchel (Magen-Darm-Tees).

Bereitung eines Teeaufgusses

1,5 g fein geschnittene oder grob pulverisierte Angelikawurzel mit ca. 150 mL kochendem Wasser übergießen und nach 10 bis 15 Min. abseihen; mit kaltem Wasser ansetzen und kurz aufkochen ist auch möglich.

Hinweise

Für die Anwendung von Angelikawurzel während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor. Für eine Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren reichen die Erkenntnisse noch nicht aus.

Nebenwirkungen

Die in Angelikawurzel enthaltenen Furocumarine können die Haut lichtempfindlicher machen und bei UV-Bestrahlung zu phototoxischen Reaktionen führen.

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

ESCOP, Kommission E

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Angelikawurzel, Nr. 1857)