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Bittersüßer Nachtschatten

Bittersüßer Nachtschatten
© Sertürner Bildarchiv

Botanische Bezeichnung

Bittersüßer Nachtschatten
Solanum dulcamara L.

Familie

Nachschattengewächse (Solanaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Der Bittersüße Nachtschatten ist in Europa, Nordafrika und Asien (bis Japan und China) verbreitet, in Nordamerika eingeschleppt. In Europa reicht er nordwärts bis Schottland, südliches Norwegen, Mittelschweden und Südfinnland. Er wächst in feuchten Gebüschen, an Ufern, in Auwäldern, auf Waldschlägen, Geröllhalden, bis in die subalpine Stufe aufsteigend.

Der Gattungsname Solanum leitet sich entweder von lat. ,solamen' (=Trost) oder von ,solari' (= lindern) ab und bezieht sich auf die einschläfernde und schmerzstillende Wirkung einiger Solanum-Arten. Für den deutschen Namen ,Nachtschatten' gibt es mehrere Erklärungen. Entweder ist er aus einer älteren Namensform ,Nachtschaden' (eigentlich ,Nächtlicher Schaden') entstanden, was auf die Giftigkeit vieler Arten hinweisen würde, oder er bezieht sich auf die schwarzen Beeren mancher Arten. Möglicherweise ist damit auch die volksmedizinische Verwendung der Pflanzen gegen nächtliche Beschwerden wie Alpdrücken und Mondsucht gemeint? Das Artepitheton dulcamara ist eine Kombination aus lat. ,dulcis' (= süß) und ,amarus' (= bitter) und spricht die Geschmacksempfindungen an, die man beim Kauen der Stängel empfindet: der zunächst bittere Geschmack (der Steroidsaponine) wird von einem süßen Geschmack verdrängt. Der süße Geschmack steigert sich dann beim längeren Kauen. Diese Eigenschaft wurde auch in den deutschen Namen ,Bittersüßer Nachtschatten' übernommen. Diese Geschmacksänderung wird übrigens auch für die Blätter und die roten Früchte der Pflanze beschrieben.

Der Bittersüße Nachtschatten ist ein Halbstrauch mit kriechender bis 2 m langen Grundachse, die Stängel sind kletternd oder niederliegend, nur im oberen Teil krautig, sonst verholzt. Blätter gestielt und wechselständig. Die Blüten, ebenfalls lang gestielt, stehen zu mehreren in rispenartigen Wickeln; die Blüten selbst sind mit ihren dunkel violetten Kronblättern und den zu einer leuchtend gelben Röhre verwachsenen Staubblättern sehr auffallend und unverwechselbar. Die Früchte sind im Endstadium rot, da aber nicht alle zur gleichen Zeit reif sind, finden sich an einer Rispe oft grüne, orange und rote Beeren. Blütezeit ist Juni bis August.

Der Bittersüße Nachtschatten gilt wegen seines Gehalts an giftigen Steroidalkaloiden als Giftpflanze. Dabei üben die roten Beeren der Pflanze eine besondere Anziehungskraft, vor allem auf Kinder, aus. Allerdings sind die reifen Beeren fast Alkaloid-frei, da die Steroidalkaloide beim Heranreifen der Beeren abgebaut werden. Trotzdem verursachen sie Übelkeit und Erbrechen; größere Mengen unreifer Beeren können ernsthafte Vergiftungssymptome auslösen: starkes Kratzen im Hals, Erbrechen, Koliken und starke Durchfälle. Später Mydriasis, Schwindel, Benommenheit, Kopfschmerzen und Sehstörungen bis zu Halluzinationen; Tod durch Kreislaufkollaps oder Atemlähmung.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet werden die getrockneten, 2- bis 3-jährigen Stängel (Stipites dulcamarae - Bittersüßstängel); gesammelt werden die Stängel zu Beginn des Frühjahrs oder nach Abfallen der Blätter im Spätherbst.

Inhaltsstoffe der Droge

Bittersüßstängel enthalten (giftige) Steroidalkaloide, Steroidsaponine und Gerbstoffe.

Qualitätsbeschreibungen

In den Arzneibüchern (Ph. Eur., DAB, DAC) ist die Qualität von Bittersüßstängel nicht festgelegt. Eine Arzneibuchmonographie der Bittersüßstängel (Stipites dulcamarae) war im inzwischen veralteten Ergänzungsband zum DAB 6 (Erg. B. 6) enthalten.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Das HMPC hat Bittersüßstängel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (siehe "Traditionelle Anwendung").
Kommission E: unterstützend bei chronischem Ekzem.

Traditionelle Anwendung

Das HMPC hat Bittersüßstängel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Bittersüßstängel äußerlich bei leichtem, chronischem Ekzem angewendet werden.

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

  • geschnittene Bittersüßstängel zur Bereitung eines Aufgusses
  • alkoholischer Extrakt in Salben

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: Für Umschläge wird Verbandsmull mit lauwarmem Teeaufguss getränkt und die betroffenen Hautstellen damit bedeckt; nach 1 Stunde abnehmen. 3- bis 5-mal tgl. anwenden.

Bereitung eines Teeaufgusses

Für die äußerliche Anwendung: 1 bis 2 g geschnittene Bittersüßstängel mit 250 mL Wasser 10 min. kochen, abseihen und abkühlen lassen (Anwendung lauwarm).

Hinweise

Von der innerlichen Anwendung von Bittersüßstängeln wird abgeraten.
Für eine Anwendung von Bittersüßstängel während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen bisher noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor. Für eine Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren reichen die Erkenntnisse noch nicht aus.

Nebenwirkungen

Keine bekannt

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

HMPC, Kommission E

Weiterführende Literatur

Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen