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Huflattich

Huflattich
Foto: Rosse

Botanische Bezeichnung

Huflattich – Tussilago farfara L

Familie

Korbblütler (Asteraceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Huflattich
Foto: aus Hänsel/Hölzl

Der Huflattich ist eine Eurasiatische Pflanze, die in ganz Europa verbreitet ist. Nördlich reicht sein Verbreitungs­gebiet bis Island, Nordskandinavien und Nordrussland, südlich bis Sizilien und Nordafrika; auf der Iberischen Halbinsel jedoch kommt Huflattich nur im Norden vor. Auf dem Peloponnes, in Kleinasien und im Nahen Osten wächst er nur vereinzelt; östlich reicht sein Verbreitungsgebiet ansonsten bis Mittelsibirien und Mittelasien. In Nordamerika und auf Island ist er eingeschleppt. Huflattich wächst gerne an Ruderal­standorten; als solche bezeichnet man vom Menschen stark beeinträchtigte Standorte wie Bau­stellen, Steinbrüche, Graben- und Wegränder, Äcker und Brachen. Die frühe Blütezeit (Februar bis April) kann als eine gute Anpassung an eine kurze Vegetationsperiode und harte Winter gesehen werden.

Der Gattungsnamen Tussilago leitet sich ab von lat. ‚tussis‘ (= Husten) und ’agere‘ (= wegführen, vertreiben) und weist damit auf die volksheilkundliche Verwendung des Huflattichs hin. Das Artepitheton farfara ist etymologisch nicht ganz klar, am ehesten kann man es mit der unterseits graufilzigen Behaarung der Laubblätter, abgeleitet von lat. ‚far‘ (= Mehl) und ,ferre‘ (= tragen) in Verbindung bringen. Im Lateinischen hieß die von der Pflanze gewonnene Droge deshalb ‚folia farferi‘. Der deutsche Namen „Huflattich“ nimmt Bezug auf die hufähnliche Form der Blätter, der Zusatz ‚lattich‘ wird häufig für Pflanzen mit großen Blättern verwendet.

Bereits im Vorfrühling wachsen aus den unterirdischen Rhizomen 3 bis 15 cm hohe, weißfilzige Stängel mit rötlichen Schuppenblättern hervor. Endständig steht jeweils ein leuchtend gelbes Blütenköpfchen, ca.2,5 cm im Durchmesser, mit zahlreichen schmalen weiblichen Zungenblüten und in der Mitte mit 30 bis 40 glockigen männlichen Röhren­blüten. Die Blüte ist einreihig von schmalen, rot überlaufenen Hüllblättern umgeben. Die Früchte sind braun, 3 bis 11 mm lang mit einem mehrreihigen, aus weiß­glänzenden Haaren bestehenden Pappus als Flugorgan. Die Laubblätter treiben erst nach der Blüte aus; sie sind grundständig, rundlich-herzförmig, bis 25 cm im Durchmesser, grob gezähnt und unterseits weißfilzig behaart. Sie können leicht mit den Blättern des Pestwurz (Petasites) verwechselt werden.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet werden die getrockneten Laubblätter (Huflattichblätter – Farfarae folium). Die Droge des Handels stammt aus Wildsammlungen in Osteuropa.

Inhaltsstoffe der Droge

Huflattichblätter enthalten Polysaccharide (Schleimpolysaccharide und Inulin), Triterpene, Sterole, Gerbstoffe und Bitterstoffe; außerdem sind lebertoxische Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) enthalten, weswegen die Droge als Heilmittel stark an Bedeutung verloren hat. Heute werden zur Drogengewinnung „PA-arme“ Huflattich-Züchtungen verwendet.

Qualitätsbeschreibungen

Für Huflattichblätter (Farfarae folium) steht keine Arzneibuch-Qualitätsbeschreibung zur Verfügung. Die Droge wurde früher im Deutschen Arzneibuch geführt (bis DAB 10); da sie wegen des Gehalts an Pyrrolizidin-Alkaloiden kaum mehr Verwendung fand, wurde die Droge nicht mehr in die nächste Ausgabe des Arzneibuchs übernommen.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Kommission E: bei akuten Katarrhen der Luftwege mit Husten und Heiserkeit; bei akuten, leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut; die Monographie enthält einen Warnhinweis (Pyrrolizidin-Alkaloide).

Traditionelle Anwendung

Huflattich erhielt keine Einstufung als traditionelles Arzneimittel im Sinne des § 39a AMG.

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: 3-mal täglich 1 Tasse heißen Huflattichtee schluckweise trinken.

Bereitung eines Teeaufgusses

1,5 bis 2,5 g fein geschnittene Huflattichblätter (Gehalt an PA geprüft bzw. PA-frei) mit ca. 150 mL siedendem Wasser übergießen und nach 10 Min. abseihen.

Hinweise

Aufgrund der Empfehlung für Grenzwerte der Europäischen Arzneimittelzulassungsbehörde EMA (Nov. 2014) dürfen orale pflanzliche Arzneimittel max. 0,35 µg toxische Pyrrolizidin-Alkaloide in der Tagesdosis Erwachsener enthalten (bei Kindern entsprechend weniger) und max. 14 Tage eingenommen werden.
Angesichts des Gehalts an toxischen Pyrrolizidin-Alkaloiden ist von einer Anwendung von Huflattichblättern während der Schwangerschaft und Stillzeit abzuraten, ebenso bei Kindern und Jugendlichen.
Bei bestehenden Allergien gegen Korbblütler (Asteraceae) sollte auf die Einnahme von Huflattich verzichtet werden (Kreuzallergie möglich).

Nebenwirkungen

Allergische Reaktionen möglich; siehe auch „Hinweise“.

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

Kommission E

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen