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Minze

Minze
Foto © P. Schönfelder

Botanische Bezeichnung

(Japanische) Minze – Mentha canadensis L. (Syn. Mentha arvensis var. piperascens Malinv. ex Holmes)

Familie

Lippenblütler (Lamiaceae)

Volkstümliche Bezeichnung

Ackerminze, Feldminze, Chinesische oder Japanische Minze

Wissenswertes zur Pflanze

Die Ackerminze ist in Europa und in Asien bis Sibirien und China verbreitet; sie wird vor allem in Japan und China angebaut (Chinesische oder Japanische Minze), aber auch in Brasilien und Indien. Beim Zerreiben riechen die Blätter intensiv nach Menthol, geruchlich sind sie somit der Pfefferminze zum Verwechseln ähnlich. Die mehrjährige Minze wird bis zu 60 cm hoch, ihre Blätter sind elliptisch-lanzettlich bis breit-eiförmig mit schwach gezähntem Rand. Die lilafarbenen Blüten stehen in dichten Scheinquirlen mit 8 bis 12 Blüten auf kleinen Tragblättern. Blütezeit ist Juni bis August.

Aus dem blühenden Kraut wird durch Wasserdampfdestillation ein ätherisches Öl gewonnen, das ca. 80% (-)-Menthol enthält. Dieses scheidet sich beim Abkühlen aus dem Öl kristallförmig ab. Die Menthol-Kristalle werden abgeschöpft, weiter aufgereinigt und als natürliches (-)-Menthol vermarktet. Der ölige Rückstand wird dann rektifiziert (fraktioniert destilliert) und kommt als „Minzöl“ in den Handel (Mentholgehalt 30 bis 50%). Da es preiswerter ist als Pfefferminzöl, wird es gerne zur Verfälschung von Pfefferminzöl benutzt. In seiner Wirkung unterscheiden sich die beiden Öle kaum, Pfefferminzöl ist geruchlich feiner. Minzöl ist bei uns auch als „Japanisches Heilpflanzenöl“ bekannt.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Die Pflanze selbst wird arzneilich nicht verwendet, sondern nur das aus dem blühenden Kraut gewonnene, vom Menthol teilweise befreite ätherische Öl (Minzöl – Menthae arvensis aetheroleum). Das im Handel befindliche Öl stammt aus Japan, China, Indien und Brasilien.

Inhaltsstoffe der Droge

Minzöl besteht zu 30 bis 50% aus (-)-Menthol; es enthält außerdem 15 bis 30% Menthon, 1 bis 5% Menthylacetat und andere Terpene.

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität des Minzöls (Menthae arvensis aetheroleum partim mentholum depletum) ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Kommission E: Innerlich bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden, die mit Blähungen verbunden sind, außerdem bei Gallebeschwerden und bei Katarrhen der Atemwege; äußerlich als Inhalat bei Katarrhen der Atemwege, als Einreibung bei Muskelschmerzen unbekannter Ursache und bei Nervenschmerzen.

Traditionelle Anwendung

Keine Listung als traditionelles Arzneimittel (§ 109 a).

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

Minzöl unverdünnt oder in halbfesten oder öligen Zubereitungen mit 5 bis 20% ätherisches Öl.

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Innerlich: 1 bis 2 mal täglich 2 Tropfen Minzöl auf Zucker oder in Wasser einnehmen, Tagesdosis 3 bis 6 Tropfen.
Äußerlich: Zur Inhalation 3 bis 4 Tropfen Minzöl auf heißes Wasser geben und inhalieren.

Hinweise

Innerliche Anwendung: Minzöl nicht anwenden bei Gallensteinleiden, Verschluss der Gallenwege, Gallenblasenentzündungen und Leberschäden.
Äußerliche Anwendung: Minzöl nicht direkt auf Schleimhäute oder verletzte Haut auftragen und nie im Bereich der Augen.
Bei Säuglingen und Kleinkindern bis zu 2 Jahren besteht die Gefahr eines Glottis­krampfs oder eines Atemstillstands (Laryngospasmus), deshalb nicht im Gesicht auftragen. Vorsorglich wird von der Anwendung bei Kindern bis 4 Jahren abgeraten.

Nebenwirkungen

Bei äußerlicher Anwendung gelegentlich Hautreizungen und Ekzeme, bei innerlicher Anwendung können bei magenempfindlichen Personen Magenbeschwerden auftreten.

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

Kommission E

Weiterführende Literatur

Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Minzöl, Nr. 1838)