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Perubalsam / Tolubalsam

Perubalsam / Tolubalsam
Foto © P. Schönfelder

Botanische Bezeichnung

Perubalsambaum – Myroxylon balsamum (L.) Harms var. pereirae (Royle) Harms
Tolubalsambaum – Myroxylon balsamum (L.) Harms var. balsamum

Familie

Schmetterlingsblütengewächse (Fabaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Der Perubalsambaum wächst in Mittelamerika, vorzugsweise in El Salvador, Costa Rica, Guatemala, Nicaragua, Ecuador und im südlichen Mexiko. Zur Zeit der Eroberung von Mittel- und Südamerika durch die Spanier gehörte Mittelamerika zum Königreich Peru, weswegen der aus dem Baum gewonnene Balsam von dort aus verschifft wurde und deshalb den Namen „Peru“-Balsam trägt. Der Baum wird 15 bis 20 m hoch, die Rinde des Stamms und der Zweige ist graubraun und glatt mit zahlreichen hellen Lentizellen. Die Blätter sind unpaarig fiederspaltig mit 7 bis 11 Fiedern. Die bläulich weißen Schmetter­lingsblüten stehen in reichblütigen Trauben, das obere ist rundlich und genagelt und viel größer als die anderen vier. Die Früchte sind braune Hülsen mit einem Samen.

Der Tolubalsambaum, ein ebenfalls fiederblättriger Baum, wird bis 25 m hoch und ver­zweigt sich erst in einer Höhe ab 12 bis 18 m. Er wächst im Norden Südamerikas, in Venezuela, Kolumbien, Ecuador und Guatemala. Der Name wurde von den ursprünglichen Bewohnern des heutigen Santiago de Tolu (Nordkolumbien) verwendet und übernommen. Im Jahre 1841 destillierte Henri Etienne Sainte-Claire Deville den Tolubalsam in einer Trockenen Destillation und gewann damit das Toluol (C6H5-CH3), ein in der Chemie auch heute noch viel verwendetes Lösungsmittel.

Perubalsam entsteht als ein dunkelbraunes, viskoses Ausscheidungsprodukt in schizogenen Exkreträumen. Die Gewinnung von Perubalsam erfolgt in den Monaten November bis April, aus ca. 10 Jahre alten Bäumen. Dafür wird der Stamm teilweise entrindet und damit ein Wundreiz gesetzt, der den Baum zur Balsamproduktion anregt, mit dem Ziel, die Wunde zu verschließen (Lebendharzung!). Nach ca. einer Woche fließt der Balsam aus, der von aufgelegten Lappen aufgenommen wird und durch Auspressen oder Auskochen gewonnen wird. Der Wundreiz kann durch Anschwelen mit Fackeln oder Spiritusbrennern noch verstärkt werden. Perubalsam ist braun und zähflüssig und riecht nach Vanille.

Tolubalsam wird ebenfalls durch Lebendharzung gewonnen. Dafür wird die Stammrinde V-förmig ca. 20 mal parallel untereinander eingeschnitten und die Wunde an der unteren Spitze mit einer kleinen Vertiefung versehen. Auf den Verwundungsreiz hin beginnt ein starker Balsamfluss, der Balsam wird in Behältnissen aufgefangen. An der Luft erstarrt er zu einer rötlich-braunen, brüchig kristallinen Masse mit einem Geruch nach Vanille.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Perubalsam: Der aus den eingeritzten, geschwelten Stämmen gewonnene Balsam (Balsa­mum peruvianum). Lieferland ist San Salvador.
Tolubalsam: verwendet wird der aus dem Stamm gewonnene Harzbalsam (Balsa­mum tolutanum). Lieferländer sind Kolumbien und Venezuela.

Inhaltsstoffe der Droge

Perubalsam
Der Harzanteil des Perubalsams besteht zu 50 bis 70% aus einem Estergemisch mit Benzylbenzoat und Benzylcinnamat als Hauptkomponenten; 20 bis 30 % der Harz­bestandteile stellen Benzoe- und Zimtsäureester höherer Alkohole dar; außerdem Nerolidol, Vanillin, Zimtsäure, Benzoesäure, Benzylferulat und –isoferulat.
Tolubalsam
Der Harzanteil des Tolubalsams besteht zu einem großen Teil aus Toluresin, Ester eines gerbstoffartigen Harzalkohols (Toluresinotannol) mit Benzoesäure und Zimtsäure; beide Säuren auch frei vorkommend; außerdem Benzylbenzoat und Benzylcinnamat sowie ätherisches Öl.

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität von Perubalsam (Balsamum peruvianum) und Tolubalsam (Balsamum tolutanum) ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Perubalsam
Das HMPC hat Perubalsam bearbeitet und abschließend beurteilt. Nach Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses wurde ein Statement veröffentlicht, in dem begründet wird, warum eine Anwendung von Perubalsam nicht empfohlen werden kann. Perubalsam ist nachweislich hoch allergen, wobei sowohl allergische Hautreaktionen und das Quincke-Ödem als auch bronchokonstruktive und anaphylaktische Reaktionen auftreten können.
Kommission E: äußerlich bei infizierten und schlecht heilenden Wunden, bei Verbrennungen, Dekubitus, Frostbeulen, Ulcus cruris, Prothesendruckstellen und Hämorrhoiden. Auf allergische Reaktionen wird hingewiesen.
Tolubalsam
Kommission E: Katarrhe der Luftwege.
Anmerkung: Die Verwendung von Tolubalsam bei diesem Anwendungsgebiet wird heute nicht mehr praktiziert, da es bessere Alternativen gibt.

Traditionelle Anwendung

Keine Einstufung als traditionelles Arzneimittel im Sinne des § 39a AMG.

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

  • Perubalsam zu 5 bis 20 % in Salbenrezepturen, oft in Kombination mit anderen Bestandteilen

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Salben mit Perubalsam mehrmals täglich auftragen, bei großflächiger Auftragung sollten 10-prozentige Zubereitungen verwendet werden.

Bereitung eines Teeaufgusses

entfällt

Hinweise

Perubalsamsalben sollten nicht länger als 1 Woche aufgetragen werden. Bei Kindern und Jugendlichen sollte Perubalsam vorsichtshalber nicht angewendet werden.

Nebenwirkungen

Allergische Hautreaktionen meist als Kontaktallergie vom Typ IV, aber auch vom Soforttyp (Urticaria, Bronchokonstriktion); selten kommen auch Lichtdermatosen und phototoxische Reaktionen vor.

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

HMPC, Kommission E

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Perubalsam, Nr. 0754, Tolubalsam, Nr. 1596)