Arzneipflanzenlexikon

Quendel

Quendel
Foto: Joachim Rosse

Botanische Bezeichnung

Quendel - Thymus serpyllum L.

Familie

Lippenblütler (Lamiaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Der Quendel oder Feldthymian wächst in einem ausgedehnten Verbreitungsgebiet in Europa und Asien, in südlichen Ländern allerdings nur im Gebirge. Er wächst auf Sandfluren, Halbtrockenrasen, trockenen Wiesen, in lichten Wäldern und an Wegrändern. Da der Quendel in einem sehr großen Verbreitungsgebiet mit sehr unterschiedlichen ökologischen Bedingungen vorkommt - was natürlich auch die morphologischen Merkmale beeinflusst - handelt es sich um eine sehr formenreiche Sammelart; außerdem hat er eine hohe Bastardisierungstendenz. Aus diesem Grund verwenden manche Taxonomen die Bezeichnung „Thymus serpyllum s.l.” (sensu latiore = im weiteren Sinne). Andere Taxonomen führen diese Sammelart mit dem sehr ähnlichen Thymus pulegioides L. zusammen.

Über die Herkunft des Gattungsnamens Thymus ist man sich nicht einig. Er lässt sich auf gr. 'thymos' (= Mut, Kraft) zurückführen oder auf gr. 'thymiama' (= Räucherwerk), denn der Thymian (Thymus vulgaris L.) wurde wegen seines aromatischen Geruchs bei Brandopfern verwendet. Das Artepitheton serpyllum leitet sich ab von lat. ,serpere' = kriechen.

Der Quendel ist ein aromatischer Zwergstrauch mit niederliegenden bis aufsteigenden Stängeln, am Grunde verholzt. Die kleinen Blättchen sind eiförmig, am Grund bewimpert und stehen kreuzgegenständig am Stängel. Die rosavioletten Blüten stehen in länglich kopfigen Blütenständen (Scheinquirle). Blütezeit ist je nach Gebiet Mai bis Oktober. Quendel riecht charakteristisch würzig nach dem im Kraut enthaltenen ätherischen Öl, dem Quendelöl. Es befindet sich in Drüsenschuppen auf der Blattoberfläche, sodass es frei wird, wenn man durch Reiben diese Drüsen verletzt.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet werden die getrockneten, blühenden oberirdischen Teile (Quendelkraut - Serpylli herba) mit ihrem würzigen Geruch nach dem in der Droge enthaltenen ätherischen Öl. Es ist in Drüsenschuppen auf der Oberfläche der Blätter enthalten und wird frei, wenn man beim Zerreiben diese Drüsen verletzt.
Die Droge des Handels stammt aus der Ukraine und vom Balkan.

Inhaltsstoffe der Droge

Quendelkraut enthält ätherisches Öl („Quendelöl”), Lamiaceen-Gerbstoffe, Flavonoide und Triterpene. Quendelöl besteht zu 20 bis 40% aus Carvacrol, 5 bis 15% p-Cymen, 5-15% γ-Terpinen und anderen Monoterpenen.

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität des Quendelkrauts (Serpylli herba) ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Quendelkraut wurde vom HMPC bisher nicht bearbeitet.
ESCOP: Katarrhe der oberen Luftwege; als Badezusatz unterstützend bei akuten oder chronischen Erkrankungen der Atemwege; diese Anwendungs­gebiete stützen sich auf Erkenntnisse der langjährigen Anwendung am Menschen.
Kommission E: Katarrhe der oberen Luftwege.

Traditionelle Anwendung

Quendelkraut erhielt bisher keine Einstufung als traditionelles Arzneimittel im Sinne des § 39a AMG; Quendelkraut in Kombination mit anderen Drogen zur Unterstützung der Schleim­lösung im Bereich der Atemwege (traditionelle Anwendung nach § 109a).

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

  • Quendelkraut als Tee, auch in Teeaufgussbeuteln, in Mischungen mit anderen Drogen
  • wässrige Abkochung (Dekokt)

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: mehrmals täglich 1 Tasse frisch bereiteten Quendeltee warm trinken (auch in Mischungen mit anderen Drogen als Husten- und Bronchialtee). Tagesdosis 4 bis 6 g Droge.

Bereitung eines Teeaufgusses

1,5 bis 2 g fein geschnittener Quendel mit 150 mL heißem Wasser übergießen (nicht kochen!), 10 Min. ziehen lassen und abseihen.

Hinweise

Für die Anwendung von Quendel während der Schwangerschaft oder Stillzeit liegen noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor; von einer Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren wird wegen mangelnder Erkenntnisse abgeraten.

Nebenwirkungen

Keine bekannt

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

ESCOP (2014), Kommission E (1990)

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Quendelkraut, Nr. 1891)

 

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