Arzneipflanzenlexikon

Moosbeere - Cranberry

Moosbeere - Cranberry
Foto © P. Schönfelder

Botanische Bezeichnung

Großfrüchtige Moosbeere – Vaccinium macrocarpon Aiton

Familie

Heidekrautgewächse (Ericaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Die Großfrüchtige Moosbeere ist im östlichen Nordamerika heimisch und wächst dort in Mooren wie die bei uns verbreitete Kleinfrüchtige Moosbeere (V. oxycoccos L.). Die Beeren der Großfrüchtigen Moosbeere, im englischsprachigen Raum als „Cranberry” bekannt, sind 10 bis 20 mm im Durchmesser, im reifen Zustand leuchtend rot und fleischig. Roh verzehrt schmecken die Beeren säuerlich, meist werden sie jedoch gekocht und sind als Kompott, Marmelade und Gelee sehr beliebt. In den nordwestlichen Staaten Nordamerikas wird deshalb die Großfrüchtige Moosbeere kultiviert und zwar mittels Stecklingen in großen Wasserbecken mit regulierbarem Wasserstand. Sind die Beeren reif, werden sie bei hohem Wasserstand maschinell abgeschlagen; sie schwimmen dann auf dem Wasser und werden von dort abgesammelt. In den USA werden jährlich ca. 300 Tausend Tonnen verarbeitet, nur ein kleiner Teil davon wird pharmazeutisch verwendet. Auch im deutschen Sprachraum hat sich für die Beeren der amerikanische Namen „Cranberry” (Plural: „Cranberries”) eingebürgert.

Die Großfrüchtige Moosbeere ist bis 15 cm hoch mit kriechenden Trieben und schmalen elliptischen, ledrigen Blättern und kleinen weißen bis rosafarbenen Blüten mit tief 4-teiliger Blütenkrone mit zurückgeschlagenen Zipfeln. Der Gattungsname Vaccinium leitet sich ab von lat. ,bacca' (= Beere) und ,baccinium' (= Beerenstrauch); er wird auch für die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Preiselbeere (V. vitis-idaea), und die Rauschbeere (V. uliginosum) verwendet. Das Artepitheton macrocarpon bezieht sich auf ihre großen Früchte und leitet sich von gr. ,makros' = groß und ,karpos' = Frucht ab.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet werden die frischen oder getrockneten, reifen Früchte (Cranberry-Früchte - Vaccinii macro­carponii fructus, Macro­carponii fructus) und der aus den reifen Früchten gepresste Fruchtsaft.
Die Droge des Handels stammt aus Kulturen in Nordamerika.

Inhaltsstoffe der Droge

Cranberry-Früchte enthalten organische Säuren (China- und Zitronensäure), Catechin-Gerbstoffe, oligomere Procyanidine, Anthocyane Flavonoide, Vitamin C und Phenol­carbonsäuren.

Qualitätsbeschreibungen

In den Arzneibüchern (Ph. Eur., DAB, DAC) ist die Qualität der Cranberry-Früchte nicht festgelegt, da sie in Europa noch keinen Arzneimittelstatus haben; sie sind als Nahrungs­ergänzungsmittel (NEM) im Handel und unterliegen somit dem Lebensmittelgesetz. Eine flüssige Cranberry-Zubereitung ist in der „United States Pharma­copeia Convention (2005)” aufgeführt.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Das HMPC hat Cranberry-Fruchtsaft (DEV 1:0,6-0,9) als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (siehe „Traditionelle Anwendung“).
ESCOP: vorbeugend gegen Harnwegsinfekte.
Die Kommission E hat Cranberry-Früchte nicht bearbeitet, da sie zur damaligen Zeit nicht arzneilich verwendet wurden. Zahlreiche pharmakologische und klinische Studien recht­fertigen heute jedoch die prophylaktische und therapeutische Anwendung (Schilcher: Leitfaden Phytotherapie): vorbeugend gegen wiederkehrende Harnwegsinfekte; Prophylaxe und Therapie bei sich häufig wiederholenden Entzündungen der unteren Harnwege; Nachbehandlung einer Kurzzeit-Sulfonamid- oder Antibiotikatherapie zur Beseitigung restlicher Bakterien; zur Unterstützung einer gesunden Blasen­funktion (Nahrungs­ergänzungs­mittel).

Traditionelle Anwendung

Cranberry-Fruchtsaft wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Cranberry-Fruchtsaft zur Linderung der Symptome bei leichten Entzündungen der ableitenden Harnwege wie Brennen beim Wasserlassen und/oder bei häufigem Harndrang bei Frauen angewendet werden, wenn ärztlicherseits eine ernsthafte Erkrankung ausgeschlossen wurde; Cranberry-Fruchtsaft kann auch vorbeugend gegen unkomplizierte Entzündungen der ableitenden Harnwege eingenommen werden.

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

Zurzeit ist kein Fertigarzneimittel im Handel, da Cranberry-Früchte als Nahrungs­ergänzungsmittel gelten. Als solches findet man auf dem Markt

  • Cranberry-Presssaft (Muttersaft)
  • Fruchtkonzentrate in Saftform
  • Trockenextrakte in Kapseln

Dosierung

Fertigarzneimittel: entfällt
Erwachsene: 300 bis 700 mL Cranberry-Saft mit mindestens 160 mg/L Procyanidinen in 2 bis 3 Portionen über den Tag verteilt trinken; 2-mal täglich 400 bis 500 mg Cranberry-Trockenextrakt in Kapseln. Kinder und Jugendliche (2 bis 18 Jahre): täglich 15 mL/kg Cran­berry-Saft trinken.

Bereitung eines Teeaufgusses

entfällt

Hinweise

Von einer Anwendung von Cranberry-Früchten während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter 12 Jahren wird wegen mangelnder Erkenntnisse abgeraten.
Männer sollten vor der Anwendung von Cranberry-Früchten die Ursache der Harnwegs­beschwerden ärztlich abklären lassen.
Bei einer Entzündung der Harnwege muss reichlich Flüssigkeit getrunken werden.

Nebenwirkungen

Keine bekannt

Wechselwirkungen

Möglicherweise Interaktionen mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln wie Phenpro­coumon (Marcurmar) und Warfarin wegen des Gehalts an antioxidativ wirksamen Inhaltsstoffen, die das Cytochrom P 450 hemmen können.

Literaturhinweise

Drogenmonographien

HMPC (2023), ESCOP (2020), WHO Vol. 4

Weiterführende Literatur

Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen

 

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